Simple Plan
Kazira - Punk-Ur-Version

"Freitag, 13.11.1406, 16:56 Uhr, dichter Nebel, die Sonne ist hinter einer dichten Wolkendecke verschwunden, es wird zu regnen beginnen, Sicht unter 20m, Fahrt unter 10 Knoten. 20 000 Meilen in der Nähe von Südengland. Die Mannschaft ist ruhig. Keine besonderen Aktivitäten. Der Wachmann Jack Sty wurde vor 56 Minuten vom Ersatzwachmann Mad-Leg-Joe abgelöst. Der Steuermann Quent wird um 24:00 Uhr vom Ersatzseutermann Bammy abgelöst. Das Kommando wird zur Zeit vom ersten Kapitän Strong-Arm-Sylver gegeben. Er wird Morgen um 6:00 Uhr vom dritten Kapitän Long-Leg-Jack abgelöst. Das Ersatzsegel wurde von unserem Matrosen Billy geflickt. Das Steuersegel ist wieder in Takt, nachdem das Setterseil gerissen war. Das Ruder ist wieder frei von Algen und ähnlichen, dank unserem zweiten Matrosen Nob. Keine weiteren Reparaturen wurden in den letzten 24 Stunden durchgeführt.", schrieb ich in mein Lockbuch. Mein Vater hatte mir aufgetragen, dass ich es führen sollte und ich nahm dies mit Freuden an. Nun sitze ich jeden Abend vor dem Abendessen, wenn es eines gab, hier in meiner Kajüte und schrieb in mein Lockbuch, das nur ich und der Kapitän Strong-Arm-Sylver lesen durften. Ein Gesetz des Captains. Wer es doch wagte, in meinen oder seinen Sachen zu schnüffeln, dem wurde, je nach dem ob er nur geschaut oder angefasst, ein Auge ausgestochen oder ein Finger abgeschnitten. Auf dem Schiff meines Vaters herrschten die Gesetzte und nicht die Gewalt, wie auf so manchem Piratenschiff, welche sich auf den 7 Weltmeeren herumtrieben. Trotzdem waren wir ganz normale Piraten, die raubten, plünderten und mordeten. Eben ganz "normale" Piraten." Ich war mit meinem Eintrag in mein Tage- und Lockbuch gerade eben fertig geworden, als der Wachmann Mad-Leg-Joe Alarm schlug. Alle versammelten sich an Deck und wurden ruhig, als der Kapitän an Deck vor das Ruder trat, von wo aus er das ganze Schiff überblicken konnte. "Was ist los?", schrie der Kapitän von unten zum Wachmann hinauf. "Kapitän, eine Gewitterfront kommt auf uns zu. Die Sicht hat sich verschlechtert, der Nebel auch. 15 Meilen vor uns ist ein Schiff!", schrie Mad-Leg-Joe dem Kapitän zu. "Nun gut", der Kapitän überlegte nicht lange und gab seine Befehle, "Quent, halte das Steuer auf Kurs Nord-Ost! Bammy, hilf ihm und sichert das Ruder zusätzlich! Mad-Leg-Joe komm da runter, das ist zu gefährlich! Billy und Nob ihr sichert zusammen mit Motin, Tom, Marsh, Dan und Stephe die Segel! Long-Leg-Jack hilf ihnen! Jack Sty du sagst allen, die unter Deck sind, dass sie die Kanonen, Fracht und Beute sichern sollten und dann schnellstmöglich an Deck kommen sollten! Kazira, nimm dir Puky und Lilly und geh mit ihnen in deine Kajüte und trag den Sturm und den Kurs und die Strömungen ins Lockbuch!" "Ei, ei, Kapitän!", erklang jedermanns Stimme. Obwohl ich nicht damit einverstanden war, dass ich in meine Kajüte gehen musste, machte ich es trotzdem. Schließlich war es zu gefährlich für mich, zum einen, weil ich ein Mädchen war, zum anderen, weil ich noch zu jung dafür war. Aber ich sollte noch froh sein, dass ich nicht an Deck war.
In mein Lockbuch schrieb ich:
"Freitag, 13.11.1406, 21:32 Uhr, klare Sicht, vereinzelte Wolken, Vollmond, schwarzer Nachthimmel, schwarzes Meer, Totenstille. Vor etwa 4 ½ Stunden brach ein Sturm über uns herein, nicht überraschend, aber mit so einer Gewalt, dass wir über 50 Meilen vom Kurs abgekommen sind und 6 Männer verloren haben. Zu regnen begann es um 17:10 Uhr, dann verdunkelte sich der Himmel immer mehr und es fing an zu donnern. Um 17:20 Uhr wurde mir der erste Blitz von Mad-Leg-Joe gemeldet. Kurz darauf begann das Inferno. Meterhohe Wellen türmten sich vor unserem Schiff, der "Golden Roger", auf und brachen nur wenige Meter vor dem Bug unseres Schiffes. Doch dies war erst der Anfang. Unsere beiden Steuermänner Quent und Bammy konnten, trotz zusätzlicher Sicherung, das Steuer nicht mehr halten und so wurden wir den Wellen ausgeliefert. Unser Ersatzsteuermann Bammy brach sich, bei dem Versuch, das Steuer fest zu halten, den rechten Arm. Der erste Steuermann erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf. Der Sturm tobte erbarmungslos weiter. Das Segel wurde aus seinen Verankerungen gerissen. Bei dem Versuch, es wieder fest zu binden, stürzte Motin tödlich. Roy, John, Gran und Barry wurden durch eine Welle vom Schiff gezogen, es war keine Rettung möglich, wir haben sie verloren. Trent ertrank unter Deck. Um 17:17 Uhr wurde das Schiff, dass Mad-Leg-Joe gesichtet hatte, gegen einen Felsen geschlagen und sank. Wir konnten 5 Männer retten, die wir nun als Gefangene nehmen. Bei den Gefangenen handelt es sich um Leute der Marine; einen Oberleutnant, einen Unteroffizier und drei Leichtmatrosen. Unser Papagei Puky hat bereits eine Lösegeldforderung an die Marine geschickt. Die Strömung vor 4 ½ Stunden betrug etwa 40 Knoten, die jetzige 5 Knoten. Der Kurs nach Nord-Ost wurde wieder aufgenommen. Wir machen uns auf den Weg nach Weymouth, um meinen großen Bruder Rodrigo von meiner Mutter abzuholen.", als ich mit meinem Eintrag fertig und hatte Tränen in den Augen, weil ich 6 meiner Freunde verloren hatte. 6 sehr gute Freunde. Ich ging an Deck. Die Mannschaft war mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, deshalb bemerkten mich nicht alle. Die Arbeit wurde still verrichtet, um den Toten zu gedenken und sie nicht beim Aufstieg ins nächste Reich zu stören. Der Wachmann Mad-Leg-Joe hatte seinen Posten wieder eingenommen und späte in die Ferne. Für unsere beiden verletzten Steuermänner ist der dritte Steuermann Dag eingesprungen. Nach einer Weile des Schweigens tönte es laut von oben herab: "Käpt`n! Marineschiff voraus!" Die Mannschaft wurde unruhig. So kurz vor unserem Ziel kam uns die Gerechtigkeit in den Weg. "Kanonen laden! Bereit machen zum Feuern! Segel hissen! Kurs nach Nord-Osten beibehalten! Alle an Deck!" "Ei, ei!", alle beeilten sich. Als wir uns dem Marineschiff bis auf 30 Meilen genähert hatten, schickten wir Puky los, um zu sehen, welche Fahne sie gehisst hatten. Nach 15 Minuten kam Puky wieder und meldete uns, dass die Marine die weiße Fahne gehisst hatte. Dies bedeutete, dass sie bereit waren, das Lösegeld für unsere Gefangenen zu zahlen. "Holt die Leichtmatrosen!", gab ich den Befehl an zwei meiner Leute, die sich sofort auf den Weg machten, um die Gefangen zu holen. "Hier sind sie!" "Setzt sie in das Beiboot und bindet dies mit einem Seil fest. Sie sollen hinüber zu ihren Leuten rudern und dann das Gold auf das Boot legen. Danach ziehen wir es wieder zu uns und schicken die restlichen zwei zu ihnen hinüber.", sagte Strong-Arm-Sylver so laut, dass es die Matrosen hörten und nickten. Mit Tränen in den Augen und zerrissenen Kleider verließen sie sichtbar froh unser Schiff und ruderten zu ihrem Schiff. Wie vereinbart wurde uns das Gold auf das Boot gelegt und wir sandten die restlichen zwei Gefangenen, die sich unter Flüchen in das Boot setzten, zur Marine. "30 000 Goldmünzen. So viel sind ihnen also 5 ihrer Männer wert.", lachte ich, als ich fertig war mit zählen. Inzwischen hatte sich die Marine entfernt und wir waren nur noch 38 Meilen von Weymouth entfernt. Am Abend legten wir bei Dartmouth, 30 Meilen von Weymouth entfernt, an, um dort ausgiebig zu feiern. Während die Mannschaft das Schiff versteckte und sicherte, schrieb ich ins Lockbuch: "Samstag, 14.11.1406, 20:36 Uhr. Das Schiff ist wieder voll funktionstüchtig. Alle Lecke wurden gestopft und alle Löcher im Segel geflickt. 30 Meilen von Weymouth entfernt. Klare, wolkenlose Nacht. Schwarzes Meer. Angelegt in der Nähe von Dartmouth. 30 000 Goldmünzen für 5 Gefangene von der Marine erhalten. Der Kapitän hat sich entschlossen, hier zwei Tage zu ruhen und die Verletzten zu versorgen und Proviant zu plündern und um neue Männer zu kaufen. Die Strömung liegt bei 2 Knoten. Wir sind auf Englischem Boden." Als ich mit meinem Eintrag fertig war, kam auch schon Lilly herein, um mich zum Essen zu rufen. Ray und Kay haben eine geeignete Gaststätte gefunden, in der wir feiern konnten. Als der Kapitän die Gaststätte betrag, lagen schon etliche Säufer am Boden und auf den Tischen. Der Wirt kam auf uns zu und lotste uns durch die Menge an einen großen Tisch, wo ein Teil der Mannschaft platz nahm. Der Rest unserer Mannschaft bewachte das Schiff und war auf Beutezug.
Nach einigen Stunden kam Jack Sty herein, der den Beutezug geführt hatte und meldete uns, dass dieser Erfolgreich gewesen sei und die Männer nun auch etwas trinken wollen. Der Kapitän gab den Befehl, dass Kay, Ray, Joe und Mat zum Schiff gehen sollten und nun die Bewacher feiern konnten. Wir feierten bis in die frühen Morgenstunden. Der Wirt war gegen 3 Uhr durch mein Schlafmittel eingeschlafen und so konnten wir lauthals das Lokal, in dem wir nun etwa 500 Goldmünzen schulden hatten und uns 8 neue Männer gesucht hatten, verlassen. Wir gingen zum Schiff und schliefen unseren Rausch aus.
Am späten Morgen vernahm ich Jack Stys Stimme. "Alarm! Alarm! Feindliches Schiff in Süden in Sicht! Feindliche Männer nähern sich dem Schiff von Westen!" Ich wachte benebelt auf und stellte fest, dass man uns umzingeln wollte. Ich versucht vergebens, meinen Vater, den Kapitän, zu wecken, doch der schlief seelenruhig weiter, so musste ich wohl oder übel das Kommando übernehmen. "Aufgewacht ihr Faulpelze, oder wollt ihr alle gehängt werden?" Die, die schon wach waren, schütteten den noch schlafenden Salzwasser über das Gesicht, das sie munter machte. "Seit ihr endlich wach, Männer? Wir werden umzingelt. Seht ihr das Schiff da im Norden? Das hat uns in 10 Minuten erreicht! Und hört ihr die Stimmen, die da aus dem Wald kommen? Die sind in etwa 5 Minuten hier! Wollt ihr nun lieber weiterschlafen oder machen wir uns aus dem Staub?" "Ei!" "Segel hissen! Kurs nach Osten!" "Ei, ei!", die Mannschaft setzte sich in Bewegung. Zum Glück hatten wir dichten Nebel bekommen, so war es ein leichtes für uns, uns aus dem Staub zu machen.

In mein Lockbuch schrieb ich. "Sonntag, 15.11.1406, 12:06 Uhr. Vor 2 Stunden übernahm ich das Kommando über das Schiff und flüchtete mit der "Golden Roger" nach Osten, nachdem wir ein feindliches Schiff erblickt hatten, das Kurs auf uns nahm und Stimmen aus dem Wald vernahmen. Der jetzige Kurs beträgt Nord-Nord-Osten. In etwa 25 Stunden müssten wir Weymouth erreicht haben. Noch 20 Meilen. Wir befinden uns gerade im Übergang von einer Meerestiefe von 40 Metern in eine Meerestiefe von 35 Metern. Der Himmel ist klar. Von Süden her ziehen Gewitterwolken auf, die in Richtung Westen abtreiben werden. Keine feindlichen Schiffe in Sicht. Die Geschwindigkeit beträgt 35 Knoten bei einer Strömung von 8 Knoten. Der Kapitän hat in Dartmouth 5 neue Männer für unser Schiff gekauft. Ihre Namen sind Kley, Loh, Lin, Sam und Damaru." "Kazira! Komm her!", schrie mein Vater von Deck. "Komme schon!", ich legte mein Lockbuch und meinen Feder weg und lief zu meinem Vater.
An Deck der "Golden Roger" wurde ich von der ganzen Crew erwartet. Ich dachte zuerst, ich hätte eine der Regeln verletzt und müsste jetzt dafür mit einem Finger büßen, doch an den lachenden Gesichtern meiner Leute erkannte ich, dass es irgendeine Feier zu feiern gab. Doch welche Feier? Hatte heute jemand Geburtstag? War es ich, die Geburtstag hatte und es vergessen hatte? War Rodrigo schon an Bord? Bekam ich endlich meinen zweiten Affen, den ich schon immer wollte? Wurde ein Gefangener hingerichtet? Wenn ja, wo war er? Während ich nachdachte, ging ich zu meinem Vater hin ans Ruder, von wo aus wir die ganze Crew überblicken konnte. "Männer!", begann mein Vater. Die Mannschaft erwiderte seinen Ruf mit einem lauten "Ei, ei!" Mein Vater fuhr fort: "Wir haben heute einen Besonderen Anlass zu feiern!" Wiederum antwortete die Mannschaft mit einem lauten "Ei!" und erhoben ihre Holzweinkrüge. "Vor genau zwei Stunden hat Kazira zum ersten Mal die Mannschaft vor Folter und Tod gerettet!" Die Mannschaft danke mir mit einem lauten "Ei!". Aber was hatte ich denn getan? Das ich vor dem Schiff geflohen bin, hatte ich inzwischen schon lange wieder vergessen. "Ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass Kazira nun eine richtige Piratin ist und ich freue mich noch mehr, dass ich sie nun endlich offiziell den "Zweiten Kapitän" nenn kann!" "Ei!" Die Mannschaft freute sich sichtlich für mich, dass mir mein Vater nun einen meiner Herzenswünsche erfüllte. "Und zur Feier des Tages bekommst du von der Mannschaft noch ein Geschenk!" Er deutete auf Kley, der etwas unter einem Tuch versteckte. Als er es anhob, konnte ich ein Affenbaby entdecken, das gerade auf der Schaukel in seinem Käfig schaukelte.

Wir feierten lange. Drei Fässer Wein wurden auf etwa 4 Stunden geleert. Der Kurs wurde beibehalten, die Geschwindigkeit aber gedrosselt. Wir feierten, lachten und tanzten ausgelassen. Doch die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, mein kleines Zwergaffenbaby auf der Schulter zu halten. Mein Vater kam ab und zu wieder einmal vorbei, um mich nach dem Namen des kleinen zu fragen, doch jedes Mal konnte ich ihm keine geben. Mir schwebte Namen wie Kiko, Sha-ron, Yo und Ben vor, doch erst nach zwei Stunden des Überlegens kam mir der Richtige Name in den Sinn. Ich nannte ihn Tetto. Puky, Vaters Papagei, und Lilly, mein dreieinhalb Jahre altes Zwergaffenweibchen, begutachteten meinen kleinen Tetto. Die zwei verstanden, warum ich mich um ihn kümmern musste und fühlten sich keineswegs vernachlässigt. Nachdem ich meinen Tetto etwas an mich gewöhnt hatte, gab ich ihn in Lillys Obhut und schickte sie in meine Kajüte. Lilly hatte die Aufgabe, ihn in alles Einzuweisen; wo er hin durfte, wo er schlief, wie er sich zu verhalten hatte. Ich feierte ausgiebig mit meinen Freunden als wir plötzlich von oben Jack Sty riefen hörten: "Käpt`n! Land in Sicht! Land in Sicht! Im Norden!" Als wir diese Schreie vernommen hatten, eilten wir alle zum Nordbug. Und tatsächlich. Man sah die Küste von England. "Segel einfahren! Ruder ausfahren! Flagge hissen! Kurs nach Nord-Ost!", gab der Kapitän zu befehl. Ich eilten in meine Kabine und holte Tetto, Lilly und Puky. Puky flog über mich hinweg zum bereits ausgestreckten Arm des Kapitäns. Tetto nahm auf meiner rechten Schulter platz, Lilly auf ihrer linken. Ich lief hinauf, um die unbeschreiblich schöne Küste England zu sehen. Dort war meine Heimat, dort war meine Mutter, dort holten wir meinen großen Bruder Rodrigo ab. "An die Ruder!", der Kapitän sah Loh, Lin, Sam und Damaru an, die sich sofort unter Deck begaben, um den anderen, die bereits hinunter geeilt waren, zu helfen. Lilly sprang auf meiner Schulter auf und ab, kreischte vor Freude und hüpfte abwechselt auf meinen Kopf und dann wieder auf meine Schulter. Tetto tat es ihr gleich. "Puky, komm mal her.", ich streckte meinen Arm aus und wartete, bis Puky sich darauf niederließ. Ich flüsterte, um meinen Vater, der beschäftigt damit war, den vier neuen die Hölle heiß zu machen, nicht auf mich aufmerksam zu machen: "Puky, zeig mal Tetto, wie es da oben bei Mr. Jack Sty aussieht." Puky schwang sich in die Luft und nahm mit seinen Füßen Tetto an den Armen. Sie stiegen immer weiter empor bis sie bei Jack Sty angekommen waren. "Jack, zeig mal meinem kleinen Tetto, was du von da oben alles siehst!", diesmal brüllte ich so laut es ging, um ja sicher zu gehen, das mein kleiner Tetto sich nicht aus Angst in die Tiefe stürzte. "Ei, ei!", kam es dann von oben. Lilly sprang immer noch wie wild auf mir auf und ab. Ich nahm sie in die Hände und spielte mit ihr ihr Lieblingsspiel: Luftwurf. Doch da diesmal Big-Joe, ein großer, dicker Mann, nicht da war, um sie in die Lüfte zu werfen, machte es ihr nur halb so viel spaß, doch sie wirkte ruhiger. "Puky! Komm runter und nimm Tetto mit!", rief ich wieder nach oben. Puky kam langsam mit Tetto an den Füßen wieder zu mir hinunter. Dem kleinen machte dies sichtlich spaß, doch ich glaube, er war froh, wieder bei mir in Sicherheit zu sein. "Puky, flieg zu Rodrigo und Mutter und sag ihnen, dass wir kommen.", befahl ich Puky, der noch immer vor Energie schäumte. "Ei, ei!", krächzte er mir entgegen und flog in Richtung England.
Mein Vater kam wieder an Deck, hinter sich die erschöpften Männer. "Anker werfen!" Das war das Stichwort für den Rest der Mannschaft. Der Anker wog mehrere 100 Kilogramm und so war es nur ratsam, ihn langsam in die Tiefe zu lassen, um das Schiff nicht mit hinunter zu ziehen. Und dazu war eben viel Kraft gefordert. 15 starke Männer ließen den Anker langsam bis zum Meeresboden hinab sinken. Ein Kraftakt, den sie nach 10 Minuten bewältigt hatten. Doch mein Vater ließ nicht locker. "Beiboote zu Wasser lassen!" Weitere 10 Männer waren weitere 10 Minuten damit beschäftigt, drei Beiboote zu Wasser zu lassen, in denen anschließend dreiviertel der Mannschaft platznahm. In einem Boot, dem kleinsten, saßen mein Vater, Kley, Puky, Lilly, Tetto, Long-Leg-Jack, Nob, Dan, Bammy und ich. Die anderen nahmen in den restlichen zwei Beibooten platz. An Bohrt der "Golden Roger" blieben nur Jack Sty, Quent, Marsh, Dan, Dag, Joe und Big-Joe.
Die Strömung zum Festland war stark und das Boot, in dem ich saß, war leider zu klein, um den Wellen stand zu halten. Ständig stieß Wasser in das Boot und drohte, es hinunterzureißen. Doch Kley und Dan schöpften stetig die Wassermassen aus dem Boot, was uns einigermaßen trocken hielt.
Wir mussten einige Meilen rudern, um nicht gegen die Klippen Englands geschleudert zu werden. Die anderen zwei Boote machten es uns gleich und folgten uns. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir eine kleine Bucht, an der wir an Land gingen. Wir streiften durch den nahegelegenen Nadelwald. Der Fußmarsch dauerte einige Stunden und wir mussten einige Pausen machen. Die Nacht lagerten wir an einer Lichtung, die wir kurz vor Nachteinbruch sichteten.
In mein Logbuch schrieb ich: "Montag, 16.11.1406. 11:33 Uhr. Dreiviertel der Männer haben das Schiff verlassen. Einviertel blieb zurück. Wir sind nun noch einen halben Tagesmarsch von Weymouth entfernt. Wir befinden uns auf englischem Land. Neuer Piratenanwärter: Tetto, das Zwergaffenbaby."
Am folgenden Tag machten wir uns wieder auf den Weg. Er führte über einen Fluss und einen kleinen, steilen Berg, auf dessen Gipfel, im Schutze einiger großer Bäume, eine Villa stand. Wir ließen die Männer am Fuße des Berges zurück. Nur mein Vater und ich erklommen den kleinen Berg. Als wir auf dem flachen Gipfel angekommen waren, erwartete uns ein Gärtner, der uns verängstigt ansah und kurz darauf ins Haus lief. Wir gingen nun auf die Villa zu, die nun immer größer und größer wurde, je mehr wir uns ihr näherten. Wir betraten den Garten, in dem uns Blumen entgegenlachten und uns ihre Farbenpracht zeigten und mit ihr angaben. Am Boden zu den Apfelbäumen, die wie eine kleine Allee zum Eingang führte, lagen uns sattrote Äpfel zu Füßen. Mein Vater hob einen auf, putze ihn grob an seinem Mantel ab und biss herzhaft hinein. Ich tat es ihm nach. Als wir uns nur noch einige Meter von der Treppe, die zur Tür führte, befanden, wurde diese aufgerissen und uns stürmte ein junger, stattlich gekleideter Mann entgegen. Er hatte schwarzes, mittellanges Haar, wunderschöne Augen und ein markantes Gesicht. "Kazira!", erklang seine Stimme. Er stürmte auf mich zu, umarmte mich erst, gab mir einen Kuss auf die Wange, drückte mich fast zu Tode und nahm mich dann bei den Hüften und warf mich in die Luft wie ein kleines Mädchen. Dann nahm er mich wieder hinunter und drückte mich wieder.
"Rod, du erdrückst mich!", versuchte ich, meinen großen Bruder wieder zu beruhigen. "Vater ist auch noch da!" Als er von mir abließ, konnte ich sehen, wie er sich unauffällig Tränen aus den wunderschönen, braun-glänzenden Augen wischte und sich nun Vater zuwandt. Er drückte Vater, als ob er immer noch der kleine Junge wäre, der er mal war. Mein Vater freute sich genauso wie er, ihn wieder zu sehen, doch da er ein grausamer Pirat der sieben Weltmeere ist, war ihm das sichtlich etwas peinlich. Als Rod wieder von ihm abließ, war er wieder der alte, gutaussehende, coole Typ mit schwarzem Haar und funkelnden, braun-glänzenden Augen, die die Welt sehen wollten.
Als er von Vater abgelassen hatte, wandte er sich mir zu und flüsterte mir etwas ins Ohr. Mit quietschender Stimme rannte ich ins Haus um mir die Neuigkeit, von der mir Rod berichtete, zu sehen. Als ich im Haus verschwunden war, fragte mein Vater Rod: "Was hast du ihr denn jetzt schon wieder für einen Floh ins Ohr gesetzt, Rodrigo?" Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Mutter war schwanger gewesen und hat vor kurzem ein Kind geboren." Vater konnte nichts sagen. Stillschweigend stand er da und versuchte, sich zu erinnern, wann er das letzte mal hier gewesen war. "Wann war ich zuletzt hier?" "Vor etwa neun Monaten, Vater." "Neun Monate also." "Du warst nicht lange weg, Vater.", unterbrach er erneut das Schweigen, "Neun Monate sind keine lange Zeit. Normalerweise besuchst du uns alle ein bis zwei Jahre." "Neun Monate.", mein Vater war immer noch sprachlos, dass er nun noch ein Kind hatte. "Willst du es nicht sehen?", Rod grinste über das ganze Gesicht. "Und wo sind eigentlich deine Männer?" "Die sind am Fuße des Berges und auf dem Schiff."

Ich rannte hinauf zur Mutter. Obwohl ich lange nicht mehr in meinem Elternhaus war, war noch alles wie vor neun Monaten: Die Küche und das Esszimmer unten links. Ein großer Empfangssaal mit zwei rundlich gebogenen Treppen, die in den ersten Stock hinaufführten, war das Zentrum des Hauses. Ein großer Aufenthaltsraum war unten rechts. Mutters, Vaters, Rods und mein Zimmer waren im ersten Stock. Und natürlich auch ein riesiges Bad. Ich erreichte Mutters Zimmer, von wo ich von draußen schon Babygeschrei vernahm. Obwohl ich sehr aufgeregt war und es kaum schaffte, mich gerade hinzustellen, klopfte ich an und stürmte nicht ins Zimmer. Ich vernahm die Stimme meiner Mutter, die mich bat, hereinzukommen. Ich öffnete die schwere Tür. Die Sonne strahlte in das Fenster, das der Tür gegenüberlag und blendete mich. "Kazira?", meine Mutter legte das Neugeborene behutsam, aber schnell in seine Wiege und stürmte auf mich zu. "Mutter!", mir liefen Tränen über die Wangen. Ich ließ meinen Gefühlen freien lauf. Als Mutter bei mir angekommen war, ließ sie sich auf die Knie fallen und legte ihre linke Gesichtshälfte auf meinen Bauch. Sie weinte vor Glück und ich stand nur da und freute mich, meine Mutter endlich wieder zu sehen. Wir verweilten einige Minuten weinend in dieser Position, bis wir durch das Geschrei des Kindes unterbrochen wurden. Mutter stand auf, umarmte mich, gab mir einen Kuss auf die Stirn, wischte sich die Tränen aus den Augen und ging auf die Wiege zu, in der das Kind strampelte und schrie. Mit ihrer Engelsstimme versuchte sie, das Baby zu beruhigen. Als sie dies geschafft hatte, setzte sie sich auf den Sessel, der nahe der Wiege stand und legte das Kind in ihren Arm, wo es nun fröhlich lachend mit seinem Spielzeug, einem Ball, spielte. Sie gab mir ein Zeichen, näher zu kommen, was ich befolgte.
"Was ist es?", fragte ich sie, "Ein Mädchen?" Meine Mutter sah mich lächelnd an: "Ein kleiner Junge." "Er ist bildhübsch. Er wird bestimmt mal so schön wie Rodrigo."
"Danke Schwesterchen!", ertönte eine Stimme, die ich in der nähe der Tür vernahm. "Nichts als die Wahrheit, Bruderherz!" Ich erkannt sofort an der Stimme, dass es sich um Rod handelte, der Vater herauf begleitete. "Zeigst du mir den Garten?", fragte ich Rod. "Klar, komm!" Ich ging hinaus und ließ Mutter, Vater und den Jungen alleine.

Wir gingen die Treppe hinunter und raus in den Garten. "Erzähl mal, wie geht's dir so?!", begann Rod. "Gut. Und selbst?" "Auch gut. Wie geht's denn deinen Tieren." Als ich nicht antwortete, sondern nur über das ganze Gesicht strahlte, sagte Rod: "Wahrscheinlich geht's ihnen gut, wenn du so lachst." "Und?" "Was und?" "Rate doch mal!" "Lilly kann sprechen oder was?" Rod liebte diese kleinen Ratespiele, deswegen ließ ich ihn noch ein bisschen zappeln. "Nö." "Sie kann angeln?" "Nö, letzter Versuch. "Puky kann sprechen!" Ich ließ mich lachend auf den Boden fallen. "Tetto!", sagte ich, als ich endlich wieder Luft bekam. "Tetto?", Rod verstand anscheinend nichts. "Zwergaffenbaby. Vater hat ihn mir Geschenkt!" "Hattest du Geburtstag?", Rod war verwundert. Vater schenkte uns nichts, wenn es nichts zu feiern gab. "Ich bin jetzt Co-Kapitän." "Is nicht wahr!", Rod freute sich sichtlich für mich. "Aber ich nehm es nicht an.", unterbrach ich seine Beglückwünschung. Er war verwundert. "Warum nicht?" "Weil du Co-Kapitän bist." Rodrigo saß nur da und machte nichts. Es scheinte so, als ob er es erst realisieren müsste. "Das hast du von Vater. Diese dumme Geste, wenn du was nicht wahrhaben willst!", unterbrach ich das Stillschweigen. Er überlegte nicht mehr lange und nahm das Amt des zweiten Kapitän an. "Aber Tetto gehört mir!" "Klar doch, ich nehm dir doch deinen keinen Schatz nicht weg, Kazira." "Hätt ich auch nicht zugelassen, Rodrigo!", lachte ich ihn an. "Wie alt bist du jetzt eigentlich?", wollte Rod wissen. "Fünfzehn. Findest du nicht auch, dass einundzwanzig Jahre ein großer Geschwisterunterschied ist? Ich meine, fünfzehn Jahre sind schon ein verdammt großer Unterscheid, aber dann erst einundzwanzig!" "Wir sollten lieber froh sein, dass wir noch einen kleinen Bruder haben!" "Hast recht, großer Bruder.", ich betonte das großer Bruder, um ihn zum Rangeln anzustiften, was er dann auch tat. "Wie in guten, alten Zeiten, als du noch bei uns auf dem Schiff warst!", sagte ich und kitzelte ihn unter den Achseln. Er ließ nicht lange auf seine Antwort warten und drückte mich zu boden und kitzelte mich am Bauch und sagte: "Gibst du jetzt auf?" Da ich sehr viel lachen musste, hatte mein Bruder schon wieder gewonnen. "Knie nieder!" Sagte er zu mir und befahl mir, mich auf die Knie zu werfen. "Du und deine dumme Siegesbestimmung.", fluchte ich und warf mich auf die Knie. "Du musst noch trainieren. Wenn du der dritte Kapitän bist und jemand außer ich deinen wunden Punkt kennt, sind wir geliefert!", neckte mich mein Bruder. "Es weiß ja keiner außer dir!", lachte ich und setzte mich zu ihm unter einen Baum. Ich legte meinen Kopf auf seine Oberschenkel und konnte so sein Gesicht bewundern. "Das mit dem so schön wie Rodrigo habe ich ernst gemeint.", begann ich, "wenn du nicht mein Bruder wärst, würde ich mich glatt in dich verlieben!", schmunzelte ich. "So, so, so." "Jep." "Apfel?" "Klar." Er reichte mir einen Apfel und ich biss ein Stück ab. "Du bist ganz schön groß geworden.", neckte ich ihn. "Bloß nicht frech werden, kleine!", neckte er zurück. "Wann kommst du wieder mit an Bord?", fragte ich ihn, "Ich vermisse dich schön langsam. Puky, Lilly und Tetto sind zwar tollte Gefährten, aber trotzdem fehlt mir was." "Ich habe lange darüber nachgedacht, doch kann ich Mutter und Geo einfach alleine lassen?" "Wer ist Geo?" "Der Gärtner." "Aha." "Und, was meinst du? Kann ich Mutter mit diesen Leute alleine lassen?" "Welche Leute?" "Das Kindermädchen, die Amme, der Gärtner, der Stallbursche. Die ganzen Leute eben, die Mutter beschäftigt." "Ich denke schon. Schließlich war Mutter ja auch mal Piratin. Sie weiß schon, wie man sich verteidigt." "Du hast ja recht, aber meinst du wirklich?" "Du sorgst dich zu viel um andere, Brüderchen. Denk doch auch mal an dich! Was willst du machen? Hier bleiben oder mit uns die sieben Weltmeere erobern?" "Hmmm..." "Sag jetzt ja nichts falsches!", spöttelte ich. "Du hast recht. Ich denke wirklich zu viel an andere." "Und was machst du jetzt?" "Wieder Pirat werden!" "Ei!" "Glücklich, Schwesterchen?" "Jep, und zieh dir endlich was anständiges an, da könnte ja noch jemand meinen, du wärst Adelig oder so!" Mein Bruder lächelte mich an. Er schien glücklich zu sein. "Weist du überhaupt noch, wie man sich als Pirat verhält?", fragte ich ihn. "Kann man denn das Piratsein verlernen?", lachte er mich an. "Wohl eher nicht. Gehen wir zu Mutter?" "Ja, klar."
Als wir wieder am Haus ankamen, ging Rod in sein Zimmer und legte die Spießerklamotten ab und zog sein altes Piratenzeugs an. Als er wieder vor mir stand und in alter Pracht strahlte, erkannte ich wieder den Piraten-Rod. Sein schwarzes Haar war wieder offen und eine rebellische Strähne hing ihm ins Gesicht. "Da bist du ja wieder.", lachte ich, "der alte Rod ist wieder da!" "War ich denn je weg?", war seine Antwort. "Wohl eher nicht.", lächelte ich zurück.

"Wie geht es dir?", fragte Vater Mutter. "Gut." "Ein schönes Baby." "Ja." "Wie heißt es denn?" "Wie willst du ihn denn nennen, Schatz?", Mutter saß den spielenden Jungen liebevoll an. "Jack Sylver." "..." "Er wird mal ein von allen gefürchteter Pirat sein." "Ich will, dass du Rodrigo mitnimmst, Sylver." "Das hatte ich vor. Ich brauche ihn." "Dann ist's ja gut."

"Dienstag, 17.11.1406. 10:02 Uhr. Wir sind immer noch von der Mannschaft auf dem Schiff getrennt. Sylver und ich haben die andere hälfte der Mannschaft am Fuße des Berges zurückgelassen. Morgen gehen wir zum Schiff zurück. Rose Sylver hat einen Jungen geboren: Jack Sylver. Rodrigo Gonzalez Sylver (genannt Rod Gonzalez) kehr nach etwa 9 Monaten wieder zum Schiff zurück."

Am folgenden Tag verließen wir, also Rodrigo, Sylver und ich, den Berg und kehrten zu den am Fuße des Berges zurückgelassenen Männern zurück. Wir wanderten etwa 10 Stunden, bis wir am Strand ankamen, in der wir die Boote zurückgelassen hatten. So schnell es ging kehrten wir zur "Golden Roger" zurück, wo der Rest der Mannschaft ein Begrüßungsfest zu Ehren Rods vorbereitet hat.
"Mittwoch, 18.11.1406. 19:45 Uhr. Wir sind wieder an Bord der "Golden Roger". Quent berichtete, dass es keinerlei Aktivitäten gab. Keine feindlichen Schiffe in Sicht. Fahrt unter 8 Knoten bei einer Strömung von 4 Knoten. Wir befinden uns gerade am südlichen Teil von Portland Bill/England, wo wir den Anker werfen werden. Rodrigo befindet sich wieder an Bord. Wir nehmen Kurs auf die normannischen Inseln, wo wir in unser Lager fahren und besprechen, was wir weiterhin tun werden…"

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